Liebe Luxlauscherlis, liebe Menschen,
Morgen werde ich zusammen mit der wunderbaren Sophie Chassée und dem ebenso wunderbaren Jaimi Faulkner ein Konzert in Walldorf auf den Acoustic Guitar Days 2026 im Session – Walldorf geben. Darauf freu ich mich sehr. Abgesehen von ihrer tollen Musik sind die beiden echt wackere und unabhängige Menschen. Sich in diesem Singer-Songwriter Dasein durchzuackern, kreativ zu bleiben und sich zu halten, ist ein ziemlicher Kraftakt. Das gilt wohl für alle Musikerinnen und Musiker und auch für Selbstständige in vielen anderen Bereichen. Die Zeiten haben sich doch sehr gewandelt. Und mir wurde in den letzten Monaten oft der Unterschied zwischen um die 40 und um die 60 sein deutlich bewusst.
Als ich anfing Musik zu machen war ich Anfang zwanzig. Ich war etwa 33, da kam She is me, meine Debüt EP raus. Sophie ist jetzt etwa so alt und ihr neues Album Elyra / Solune kommt morgen heraus. Das sechste seit 2012. Yeah. Und trotz aller Widrigkeiten hat sie es gewuppt. Das, was ich bisher hören konnte, ist zauberhaft. Ich verlinke unten und freu mich darauf.
So wie auch Jaimi. Sein letztes Album Half of it läuft bei mir in Dauerschleife. Ich finde es brillant. Falls ihr es noch nicht habt: Das geht hier.
Wacker hab ich immer weiter gemacht seit 1998 nach dem ersten Album. Ich bin sehr dankbar dafür diese Zeit gemeistert zu haben. Und habe noch so einiges vor. Diese unglaubliche Natur hier ist wie eine fette Batterie. Es ist schön mit den beiden die Bühne teilen zu dürfen morgen. Two Generations...
+++
Gerade war die GEMA Mitgliederversammlung. Seit Mitte der 80er bin ich dabei. Ich widerspreche immer wacker all dem Bashing, das es gibt, weil es so wichtig ist eine starke Vertretung für Urheberrechte zu haben. Und die allermeisten Dinge, die ich höre entstehen leider durch Unwissenheit. Gerade in Zeiten von KI ist die GEMA enorm wichtig. Urheberrecht ist nach wie vor eine so wichtige Basis für Musikschaffende. Und ja, bei natürlich auch begründeter Kritik an Dingen der GEMA, sehe ich gerade in den letzten 15 Jahren sehr viel gute Bewegung. Ich wäre ohne die GEMA nicht in der Lage von meiner Musik zu leben. Was deutlich widerlegt, dass ja nur die großen Fische etwas davon haben. So ist es eben nicht. Jedes Konzert bringt Urhebern etwas zurück und mehr. Wichtig ist es allerdings sich als Mitglied damit auseinanderzusetzen, so dass man in dem komplexen System durchsteigt, was für einen als Musikus wichtig ist und unterscheidet, wo sich alte Mythen ranken. Da gibt es so einige. Gerade wurde eine wichtige Reform verabschiedet, die sehr wichtig war, wie ich finde, um die starre Unterscheidung zwischen U und E Musik aufzulösen und allen Genres Raum für Förderung zu geben. Leider gab es im Vorfeld sehr heftige Differenzen, die teilweise auch fies waren, zwischen E‑ und U‑Musikern. Man muss sehr genau recherchieren, um auch hier wieder ein gesundes Bild davon zu bekommen, was hier der Plan war und warum diese Reform so wichtig ist. Ich bin froh, dass sie jetzt angegangen werden kann.
Es wird sich einiges wandeln, steht zu befürchten. Was mir große Sorgen macht, sind die Ansichten von Menschen, die meinen, Kultur müsse nun Patriotismus widerspiegeln. Kommen diese Ideologien an die Macht, dann steht uns ein heftiges Aufräumen bevor, das vielfältige Kultur zerstören wird. Dunkle Begriffe kommen mir in den Kopf aus bösen Zeiten. Schon jetzt unter dieser Regierung zeigen sich für mich in den Streichungen von wichtigen Projekten und die Aktionen des Kulturstaatsministers, wie im Fall der Buchpreise, sind echt bedenkliche Bewegungen.
Wie bleiben wir mutig in dieser Zeit? Wird es all die rührigen Vereine und Initiativen nicht mehr geben, die sich für Menschenrechte und die Achtung aller Menschen starkgemacht haben? Die großen Beitrag leisten, um die Idee von Demokratie zu stärken, denn es geht immer auch um aktives Erlernen von Selbstwirksamkeit. Das ist die Basis für Engagement. Und Demokratie lebt davon. Ich will nicht, dass Menschen still werden und aufhören, sich zu engagieren, weil sie sich fürchten, angegriffen zu werden. In all den Jahren, in denen ich unterwegs bin, kann ich mich an ein solches Gefühl nicht erinnern. Bleibt dran und seid füreinander da. Wir leben in einem Land mit so vielen großartigen Möglichkeiten. Verlieren wir uns nicht in Wut oder Empörung. Bleibt durchlässig und dennoch klar.
Ich bin dankbar, dass es Euch gibt, und hoffe sehr, wir sehen uns bei einem unserer Konzerte und fühlen und lieben, was das Zeug hält. Innehalten, Kraft tanken, zusammenbleiben.
Mit leuchtenden Grüßen
Christina Lux & Oliver George
***
Solltet ihr den Newsletter eigentlich gar nicht mehr wollen, dann meldet Euch doch "ungern" ab, dann weiß ich, wer als treue Seele wirklich noch dabei ist. Ich dank Euch!
|